MFA & starke Passwörter (Best Practices)
Über 80 % aller Kontoübernahmen beginnen mit einem gestohlenen oder erratenen Passwort. Zwei Massnahmen senken dieses Risiko drastisch: ein einzigartiges, langes Passwort pro Dienst — und ein zweiter Faktor (MFA), der greift, falls das Passwort doch in falsche Hände gerät. Dieser Artikel erklärt, warum das zusammengehört, welche Praktiken heute empfohlen sind und welche überholt — praxisnah für ein KMU, ohne Sicherheits-Theater.
Warum Passwort allein nicht reicht
Ein Passwort ist ein einzelnes Geheimnis. Es wird abgephisht, bei einem Datenleck eines fremden Dienstes erbeutet, über wiederverwendete Logins „durchprobiert" (Credential Stuffing) oder schlicht erraten. Sobald es bekannt ist, steht das Konto offen.
MFA (Multi-Faktor-Authentifizierung) verlangt zusätzlich einen zweiten Nachweis — etwas, das Sie besitzen (Smartphone, Sicherheitsschlüssel) oder sind (Fingerabdruck, Gesicht). Selbst mit korrektem Passwort scheitert ein Angreifer am zweiten Faktor. MFA ist heute der wirksamste Einzelschutz pro Konto, den es gibt.
Passwörter: was heute gilt — und was überholt ist
Die alten Regeln (erzwungene Sonderzeichen, alle 90 Tage wechseln) gelten als überholt. Aktuelle Empfehlungen (u. a. NIST SP 800-63B) setzen auf Länge statt erzwungener Komplexität:
- Lange Passphrasen aus vier oder mehr zufälligen Wörtern (z. B.
Birne-Wolke-Tisch-Anker-47) — leicht zu merken, schwer zu knacken. Mindestens 12–16 Zeichen. - Ein eigenes Passwort pro Dienst. Keine Wiederverwendung. So bleibt ein Datenleck auf genau einen Dienst begrenzt.
- Passwortmanager (z. B. Bitwarden, 1Password) erzeugen und speichern für jeden Dienst ein langes, einzigartiges Zufallspasswort. Sie merken sich nur noch ein starkes Master-Passwort.
- Kein erzwungener Turnus-Wechsel mehr — Wechsel nur anlassbezogen: bei Verdacht oder gemeldetem Datenleck. Periodischer Zwang führt nur zu schwächeren, vorhersehbaren Variationen.
MFA: nicht jeder Faktor ist gleich stark
MFA ist nicht gleich MFA. Phishing-resistente Faktoren sind deutlich sicherer als ein per SMS gesendeter Code, der abgefangen oder über SIM-Swapping umgeleitet werden kann. Bevorzugen Sie von oben nach unten:
| Faktor | Phishing-resistent? | Bewertung |
|---|---|---|
| Passkey / FIDO2-Sicherheitsschlüssel | ✓ | Stärkste Option — an die echte Domain gebunden, nicht abphishbar |
| Authenticator-App (Microsoft/Google Authenticator, Code oder Push) | teilweise | Gut und alltagstauglich; Push-Anfragen aber immer bewusst prüfen |
| SMS-Code / Anruf | ✗ | Nur als Notlösung, wenn nichts anderes geht |
Wo immer möglich, setzen Sie Passkeys oder eine Authenticator-App ein. Microsoft 365 unterstützt beides — wie Sie es einrichten, steht in Microsoft 365 MFA einrichten.
Do & Don't
| ✓ Tun | ✗ Lassen |
|---|---|
| Pro Dienst ein eigenes, langes Passwort | Dasselbe Passwort mehrfach verwenden |
| Passwortmanager nutzen | Passwörter in Excel/Notizen/Browser-Klartext sammeln |
| MFA überall aktivieren, wo verfügbar | MFA „später" aufschieben |
| Authenticator-App oder Passkey bevorzugen | SMS als einzigen zweiten Faktor wählen |
| Nur eigene, selbst ausgelöste Push-Anfragen bestätigen | Eine unerwartete MFA-Push „weg-tippen", nur damit Ruhe ist |
| Bei Verdacht sofort Passwort ändern + Ticket | Auf den nächsten erzwungenen Wechsel warten |
Häufige Fragen
Ist ein Passwortmanager wirklich sicher?
Muss ich mein Passwort regelmässig ändern, auch ohne Verdacht?
Was ist der Unterschied zwischen MFA und 2FA?
Was ist ein Passkey?
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